ALBANIEN BRAUCHT VERSTÄNDNIS

Albanien ist ein kleines, armes Land und hat es in der Geschichte nur in sensationellen und au§ergewöhnlichen Umständen Aufsehen erregt. So etwa zu Beginn der 90er Jahre, als es wegen des biblischen Exodus der Albaner in Richtung Italien und anderer westlicher Länder ins Zentrum der weltweiten Medienberichtererstattung gerückt wurde.
Im Jahre 1997 sodann wegen der blutigen Unruhen die das ganze Land erschütterten.
Nur wenig später auf Grund des Krieges im Kosowo und so fort...

Andererseits trifft es zu, dass Albanien im vergangenen Jahrhundert für fast fünf Jahrzente eine dunkle Zeit der Isolation durchlief, abseits stand und nahezu vergessen war. Die Isolation hatte auch propagandistische Begleitserscheinungen, in denen Albanien als Modell menschlicher Harmonie erschien. Der Mythos des albanischen Wunders wurde geschaffen, doch wurde er mit dem Sturz des totalitären Regimes von einem Tag auf den anderen hinweggefegt.

Albanien ist mit Sicherheit kein Mythos, weder ein guter noch ein schlechter. Es ist ein normales, ein europäisches Land. Das albanische Volk hat seine eigene Kultur, Geschichte und Bräuche. Der Großteil der Tage eines Jahres ist in Albanien sonnig, mit wolkenfreiem Himmel. Es gibt Berge von unvegleichbarer Schönheit und wundervolle Strände. Im Allgemeinen gibt es alles, was für eine normale Existenz nötig ist. Trotzdem bleibt Albanien wie bisher für viele Menschen ein sonderbares Land, nicht selten sogar Angst einflößend.

Albanien liegt im anderen Europa, oder anders gesagt, in demjenige der Grenzen und zwar mit allen Konsequenzen, die dieser Umstand mit sich bringt. Trotzdem haben in diesem neuen Jahrhundert alle das Recht zu träumen. Dies lässt mich hoffen, dass auch Albanien eines Tages an diesem wunderbaren Punkt angelagt sein wird, wo es keine Grenzen gibt. Ich hege diese Hoffnung, weil Albanien ein Land von tiefer Neigung zum Westen ist. Dass es sich heute in keiner beneidenswerten Lage befindet und Zweifel und Unsicherheit hervorruft, ist das Ergebnis eines langen und erbarmungslosen Spiels der Geschichte. Ich hege diese Hoffnung auch, weil Albanien nicht nur das Land des Exodus, des Schmuggels, der Korruption und Ähnlichem ist. Schließlich ist Albanien ein Land, das voller Hoffnung in eine neue Epoche eingetreten ist.

Es braucht weder Mitleid noch Bedauern. Albanien hat lediglich Verständnis nötig.

Fatos Kongoli, Albanien 2003 (albanischer Schriftsteller)
EDUARD (AT)

*Inspiriert von einer wahren Geschichte*

von ANGELIKI ANTONIOU

Griechenland/Deutschland 2006, min
Flucht